Preise von Kosmetika

Posted 29. April 2015 By Kobold

Geht man heute in diverse Geschäfte und vergleicht die Preise der angebotenen Kosmetika, dann fragt man sich, warum kann das eine Produkt für 0,79 EUR angeboten werden und das andere kostet 800 EUR. Der Preis wird im Prinzip durch 2 Faktoren bestimmt – die Zielgruppe und das Produkt selber. Ein Discounter hat als Zielgruppe diejenigen Kunden, die wenig ausgeben wollen. Die Geiz ist geil – Mentalität hat sich in Deutschland ziemlich festgesetzt. Der Luxusanbieter bietet Individualität und bedient Kunden, die schon alles haben und sich von der Masse abheben wollen. Zu welcher Zielgruppe Sie gehören, können sie am besten selber beurteilen. Die beiden genannten Zielgruppen sind die Extremgruppen nach unten und oben, dazwischen gibt es weitere Zielgruppen.

Die Kosten eines Kosmetikums werden im Wesentlichen durch die verwendeten Rohstoffe, die Verpackung, die Herstellkosten, die Vertriebskosten und die Handelsspanne bestimmt. An einem Beispiel soll einmal der Kostenrahmen beleuchtet werden:

Rohstoffe: Die Preise der einsetzten Rohstoffe schwanken sehr stark. Der billigste Inhaltsstoff ist immer Wasser. Wasser muss für die Produktion stets keimfrei und möglichst ohne Mineralien sein. Deswegen wird auch kein Mineralwasser verwendet, sondern meist direkt aus dem Erdreich gewonnenes Wasser, welches aufbereitet werden muß. Trinkwasser kostet in Deutschland durchschnittlich um die 2 EUR pro Kubikmeter. Also 1000 l = 2 EUR –> 1 l = 1kg = 0,2 ct. In einer kosmetischen Formulierung werden bis zu 80% Wasser zugesetzt. Das heißt, ca. 1,6 ct wäre der Wasseranteil, wenn man Trinkwasser verwenden würde.

Schauen wir uns mal das Produkt für 0,79 EUR an, z.B. ein Shampoo, 250 ml. Der Mehrwertsteueranteil beläuft sich auf ca. 13 ct, es verbleiben also 66 ct, um alle Kosten zu decken. Für ein Shampoo wird ein Tensid benötigt, um Fette aus den Haaren zu lösen. Eins der preiswertesten ist das Sodium Laureth Sulfate. Der Preis von Rohstoffen wird immer durch die bezogene Menge bestimmt. Da wir im Preisbeispiel einen Anbieter mit vielen Verkaufsstellen betrachten, kann man davon ausgehen, dass auch große Mengen benötigt werden. Deswegen nehmen wir an, dass wir dieses anionische Tensid für ca. 1 EUR/kg erhalten können. Je nach Rezeptur werden bis zu 40% davon eingesetzt. 40% von 1 EUR sind 40 ct. Weiter nehmen wir für unser Beispiel an, dass 52,7% Wasser benötigt werden. Dann kostet unser Shampoo jetzt ca. 41 ct/kg. Als Co-Tensid wird meist ein Betain (z.B. Cocoamidopropyl Betaine) eingesetzt. Der Preis für das Betain hängt von Menge und Konzentration ab. Wir nehmen für unser Beispiel mal einen Preis von 1,50 EUR und setzten in unserer Rezeptur 5% ein. Das sind 7,5 ct, zusammen also 48,5 ct/kg. Oftmals ist auch ein nichtionisches Tensid enthalten. Davon brauchen wir weniger, sagen wir mal, 2 %. Nichtionische Tenside sind an dem Kürzel PEG erkennbar. Diese Tenside sind bereits viel teurer. Für unser Beispiel nehmen wir an, wir erhalten es für 4 EUR. Somit sind 2% Anteil 8 ct. Summe also 56,5 ct. Parfümöle sind recht teuer. Deshalb nehmen wir ein preiswertes für 25 EUR und setzen 0,2 % ein. Damit verteuert sich unser Shampoo um 5 ct auf 61,5 ct. Was fehlt noch? Richtig, ein Konservierungsmittel. Preiswerte Konservierungsmittel kosten so um die 20 EUR, aber wir benötigen nur 0,1%. Somit haben wir nun also ein Shampoo für 63,5 ct/kg. oder knapp 16 ct Rohstoffe pro Flasche.

Verpackung: Als Verpackungsrohstoff wird meistens Polyethylen (PE) verwendet. PE hat Tagespreise und kostet derzeit um die 1420 EUR/t. Eine 250 ml Flasche wiegt ca. 25 g, somit belaufen sich die Rohstoffkosten auf ca. 3,5 ct pro Flasche. Nehmen wir einmal an, dass der Hersteller 5 ct pro Flasche für Fertigung, Kosten seines Betriebes und Gewinn erhält. Bei einem Volumen von 50.000 Flaschen pro Monat bleiben dem Unternehmer gerade mal 2.500 EUR für Löhne, Abschreibungen, Hilfsstoffe, Steuern und Gewinnanteil. Wow, ein reicher Unternehmer!

Fehlt noch der Verschluß für die Flasche. Es gibt ein weites Feld an Möglichkeiten, von dem billigen Klappschanierverschluß bis zu edlen Disk-Top-Verschlüssen. Für unser Beispiel nehmen wir den billigen Verschluß und müssen ca. 2 ct dafür berappen (deshalb bricht die Kappe ja auch nach 2-maligem Betätigen ab).

Damit die Flasche verkaufsfertig wird, brauchen wir auch noch ein Etikett. Dies besorgen wir uns preiswert aus dem Ausland und zahlen 1,5 ct dafür.

Jetzt soll die Flasche auch zum Handel geliefert werden. Dafür brauchen wir einen Karton. Der Karton braucht ein Label und er muß zugeklebt werden. Alles zusammen soll ca. 7 ct pro Flasche kosten.

Damit haben wir alle Teile einer kosmetischen Verpackung. Und was kostet sie uns? Richtig, 19 ct! Die Verpackung ist also teurer als der Inhalt.

Zwischenbilanz: Nur an Materialien bezahlen bereits 35 ct. Bleiben uns von den 66 ct noch 31 ct für Produktion, Vertrieb und Händlermarge. Die teilen wir uns jetzt brüderlich – 15 ct für den Handel und 16 ct für den Hersteller. Damit verdient der Hersteller bei 50.000 Flaschen pro Monat ganze 8.000 EUR oder 96.000 EUR pro Jahr. Davon muß er sein Personal bezahlen, muß seinen Maschinenpark warten, Instand setzen, Neuanschaffungen tätigen, muß seine Miete bezahlen, muß Steuern zahlen, muß Rücklagen bilden und den Rest darf er sich in die Hosentasche stecken und sich wie Dagobert Duck über seinen Reichtum freuen.

Setzt man höherwertige Rohstoffe ein, zum Beispiel nachwachsende Rohstoffe aus der Natur, dann wird sich der Rohstoffeinsatz schnell verdoppeln bis vervielfachen. Werden dazu Herstellkosten gezahlt, die den Unternehmer nicht gleich an die Wand drücken, dann muß man für ein fertiges kosmetisches Produkt mindestens zwischen 4 und 5 EUR bezahlen. Aber solange Billigwaren nachgefragt werden, wird sich in Deutschland nichts ändern. Nur die meisten Konsumenten sind sich nicht bewusst, dass sie durch ihr Verhalten nicht nur Arbeitsplätze gefährden, sondern letztlich auch an ihrem eigenem Stuhl sägen, weil Geiz ist geil in allen Branchen nachgefragt wird.

   

Gefährliche Inhaltsstoffe

Posted 7. Februar 2015 By Kobold
Gefahrstoffverordnung giftig

CLP-Symbol giftig

Das Netz ist voll von selbsternannten Gurus, die über die angebliche Gefährlichkeit von kosmetischen Inhaltsstoffen schreiben. In der Regel sind es keine Fachleute. Die meisten können gar nicht abschätzen, was sie schreiben, weil ihnen der Sachverstand fehlt. Da werden „gefährliche Merkmale“ von anderen Seiten kopiert, weil man nicht in der Lage ist, seine eigenen Produkte positiv darzustellen. Also verweist man auf den Belzebub. Da werden Stoffe mit dem Totenkopf versehen, was absoluter Nonsens ist. In der Chemie ist genau definiert, wann welcher Stoff giftig oder sehr giftig ist. An dieser Stelle ist mein liebstes Beispiel das Atropin. Das Gift der Tollkirsche ist in bestimmter Konzentration giftig und führt zum Tode. Verdünnt wird es als Heilmittel eingesetzt. Oder man nehme Natriumchlorid, banal als Kochsalz bezeichnet. Es ist auch in vielen Kosmetika enthalten, aber in zu hoher Konzentration führt es zu Bluthochdruck oder sogar zum Tode.

Wer also hier im Netz unreflektiert Kommentare übernimmt outet sich als Effekthascher. Natürlich lesen viele Menschen lieber Horrormeldungen, denn alles andere ist ja langweilig. Das ist ja auch der Grund, warum gewisse Zeitungen sich dieses menschliche Verhalten zu Nutze machen.

Es ist sicherlich nicht weg zu diskutieren, dass einige Substanzen gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen können. Wer unter Allergien leidet, ist selbstverstänlich besser beraten, die Inhaltsliste (Ingredients) zu lesen, ob evtl. ein Inhaltsstoff enthalten ist, der bei ihm/ihr Allergien auslöst. Wem allerdings Kosmetika zu gefährlich sind, weil sie Mineralöle, Silikone, SLS, SLES oder andere Stoffe enthalten, der sollte sich besser nur noch mit Wasser waschen. Aber mit welchem Wasser? Im Regenwasser sind saure Chemikalien gelöst, Trinkwasser wird behandelt, damit es hygienisch ist, im Trinkwasser kann aber auch Blei sein, weil noch alte Bleirohre verwendet werden. Tja, die Welt ist voller Chemie, aber den Chemieunterricht wählt man in der Schule möglichst schnell ab. Man will ja nichts wissen.

   

Bloginhalt

Posted 2. Januar 2015 By Kobold

In diesem Blog gibt es viel Wissenswertes rund um kosmetische Mittel.

  • Inhaltsstoffe – Informationen zu den Ingredients
  • Fertigprodukte – Informationen zu Kosmetika, die handelsüblich angeboten werden
  • Regelwerke – Informationen zu den Regelwerken, die die Herstellung, das Inverkehrbringen, den Import und die Aufmachung regeln
  • Naturkosmetik – Informationen über naturkosmetische und vegane Fertigprodukte
  • Biokosmetik – Informationen über biokosmetische Fertigprodukte
  • Lexikon – Erläuterungen von Begriffen